Offener Brief 03.07.2026
gegen den Missbrauch von Shoah-Opfern beim Festival „48 Stunden Neukölln“ in Berlin
om 3. bis 5. Juli 2026 findet im Rahmen Ihres Kunstfestivals „48 Stunden Neukölln“ eine Aktion des Ashtar Theatre aus Ramallah mit dem Titel „Walking The Gaza Monologues“ statt. Sie gehen an den Stolpersteinen in Neukölln entlang und inszenieren einen audiogeführten Rundgang mit den „Gaza Monologues“.
Sie schreiben über Ihr Festival auf Ihrer Webseite, „dass die entstandenen künstlerischen Arbeiten als Impulse weit über Berlin-Neukölln hinaus wirken, denn sie beziehen Stellung zu gesamtgesellschaftlichen Fragen und fördern einen nachhaltigen Austausch mit der internationalen Kunstszene.“
Meinen Sie es tatsächlich ernst mit dieser billigen, populistischen Täter-Opfer-Umkehr die Sie präsentieren wollen?
Was haben die Namen der Shoah-Opfer, die auf den ohnehin unwürdigen Stolpersteinen stehen, mit Gaza zu tun? Meinen Sie, die Shoah ist vergleichbar mit dem Krieg in Gaza? Wenn das der Fall ist, dann haben Sie Ihren moralischen Kompass vollständig verloren. Die Shoah war ein Menschheitsverbrechen, das in all seinen grausamen Facetten mit nichts vergleichbar ist. Mehr als 6 Millionen Juden wurden schändlichst ermordet. Dies war wohl die Steilvorlage und das Vorbild für das brutalen Ermorden von Juden am 7. Oktober 2023. Mit diesen grässlichen Taten wollte die Hamas auf infamste Weise an die Shoah erinnern und Juden damit re-traumatisieren.
Während der Shoah sind insgesamt 55 Millionen Menschen gestorben. Mit der Aktion, die Sie vorhaben, versuchen Sie Unvergleichbares in einen falschen Zusammenhang zu stellen. gepaart mit israelbezogenem Antisemitismus der selbstverständlich für sie scheint. Das ist absolut absurd und verantwortungslos. Das ist Geschichtsignoranz.
Wir sagen im übrigen seit Jahren über diese unwürdigen „Trampelsteine“, dass sie niemals in Würde an Shoah Opfer erinnern können. Sie sind missbräuchlich und werden missbraucht. Sie werden täglich durch Darauf-Herumtreten und Darüber-Hinweggehen geschändet, ungewollt wie auch mutwillig – und bei Ihrer Aktion mutwillig. Die Stolpersteine verlängern die Verachtung der Shoah-Opfer ins Hier und Jetzt, statt dass man in Respekt und Würde mit Informationen und in Augenhöhe an sie erinnert. Mit den Stolpersteinen werden die Opfer immer Opfer bleiben und nie als die Menschen gezeigt, die sie waren, bevor sie zu Opfern gemacht wurden. Manchmal scheint es sogar, als seien die Stolpersteine wichtiger als die Shoah-Opfer.
Ihre Aktion mit der Ramallah-Gruppe ist genau so ein Missbrauch und eine Benutzung der Shoah-Opfer. Sie missbrauchen sie für den Krieg in Gaza, der nichts mit den Opfern der Shoah zu tun hat. Schlimmer noch, Sie missbrauchen die Shoah-Opfer für einen Krieg, den die Hamas mit dem brutalsten Massaker an Juden seit der Shoah begonnen hat.
Diese Inszinierung sollten Sie sich sparen, damit machen Sie sich unglaubwürdig, ja lächerlich. Klar, dass dies viel Presse bringt, denn Ihre Aktion ist ebenso populistisch, wie es die Stolpersteine sind. Lassen Sie diese Inszinierung, denn sie verhöhnt die Millionen Opfer der Shoah. Und selbst Sie sollten verstehen, dass dies eine Schande ist. Sagen Sie die Aktion ab. Sie ist keine Kunst, nur billige Provokation auf dem Rücken der Opfer. Werden Sie einsichtig und halten Sie inne – der Kunst und den Shoah-Opfern zuliebe.