Presseerklärung
27.09.2026
In Heidenau hat man beschlossen, keine Stolpersteine zu verlegen. Wir stimmen dem voll zu und hoffen, dass ab jetzt endlich würdiges Gedenken an die Shoah-Opfer gelebt wird. Mit den Stolpersteinen ist das unmöglich.
Wovon wir uns allerdings sehr deutlich distanzieren, ist die AfD/NPD, die für diesen Antrag mit abstimmte.
Seit Jahren versucht die AfD/NPD, die Erinnerung an die Shoah zu eliminieren. Man möchte nicht erinnern, sondern am liebsten den Holocaust verharmlosen, ja unter den Tisch fegen. Populistisch vergreift sich die AfD/NPD an diesem Thema und nutzt diesen Moment, um die Erinnerungskultur an die Shoah weiter auszulöschen. Darüber hinaus profitiert die AfD von dem von ihr mitentfachten Aufruhr, denn auch negative Presse ist für sie wertvoll: Hauptsache, sie sind präsent.
Um es ebenso klar und differenziert zu sagen: Wir von Respect & Remember Europe e.V. wenden uns gegen die Beteiligung der AfD/NPD an dem Beschluss, weil sie ihn für ihre Zwecke missbrauchen. Das heißt nicht, dass wir die Stolpersteine unterstützen – im Gegenteil. Seit Jahren kämpfen wir gegen die Stolpersteine und stehen daher auch hinter der CDU, der Oberbürgermeisterin und dem Stadtparlament von Heidenau in ihrer weisen Ablehnung der Stolpersteine.
Warum wenden wir uns gegen Stolpersteine?
Der gesamte Habitus der Stolpersteine ist verletzend, vor allem für die Shoah-Opfer – um die geht es dabei. Die Stolpersteine liegen ungeschützt am Boden, im Straßendreck, sie erhalten täglich Fußtritte werden seit Jahren bundesweit mutwillig geschändet. Das ist der falsche Ort für respektvolles Gedenken. BMW verbietet ihr Logo am Boden zu platzieren, weil unwürdig. An Shoah Opfer am Boden erinnern, soll würdig sein? Der Text auf den Stolpersteinen erinnert an Nazi-Deportationslisten, die Opfer werden textlich aufs Minimum reduziert, verletzend.
Das ist kein Erinnern auf Augenhöhe, individuell, mit Information über die Menschen, die zum Opfer gemacht wurden. Die Stolpersteine verlängern das Opfersein in die Gegenwart. Die Shoah war ein bis heute unvorstellbares Menschheitsverbrechen. Warum will man ausgerechnet mit den von Beginn an umstrittenen Stolpersteinen, die viele Juden und Nicht-Juden als verletzend und unwürdig empfinden, gerade damit erinnern?
Besonders im öffentlichen Raum muss die Erinnerung vor allem respektvoll geschehen: durch Vermittlung von Wissen und Information, auf Augenhöhe und unter Würdigung der Individualität der Opfer. Ein solch respektvoller Rahmen für die Schicksale der Menschen –mit Inhalten und Informationen auf Tafeln oder Stelen – kann bei den Betrachtern Empathie wecken. Eine letzte Ehre der Shoah-Opfer.
Dass die CDU in Heidenau bei dem Beschluss maßgebend war, ist erfreulich. Bundesweit hat die Partei in vielen Städten erkannt, dass Stolpersteine von vielen Juden und sensiblen Nichtjuden nicht gewollt sind. Immer mehr Kommunen lehnen Stolpersteine ab – oft leise, denn sie wollen nicht von fanatischen Stolperstein-Fans mit Shitstorms etc. unter Druck gesetzt werden. Solche Reaktionen konnte man oftmals in ganz Deutschland beobachten. Stattdessen erarbeiten sie wie in Heidenau eigene Gedenkprojekte.
Unser Verein hat sich von 8 Jahren gegründet, als in München Stolpersteine verlegt werden sollten. Das Münchner Stadtparlament hat zum zweiten Mal mehrheitlich dagegen gestimmt. Ruth Meros, eine Shoah-Überlebende, verachtete die Stolpersteine, ebenso all ihre Freunde – ob Shoah-Überlebende wie Charlotte Knobloch die Münchner IKG-Präsidentin (die bis heute gegen das Verlegen von unwürdigen Stolpersteinen ihre Stimme erhebt), Max Mannheimer oder Uri Siegel, Neffe des ehemaligen FC Bayern-Präsidenten Kurt Landauer, ob Juden und Nichtjuden.
Unser Verein, in dem Juden und Nichtjuden ehrenamtlich wirken, befasst sich seit Jahren mit den Stolpersteinen und ihrem „Erfinder“ Gunter Demnig. Als Experten sehen wir, wie diese Stolpersteine seit jeher spalten. Wir sehen auch,
- dass es Verstrickungen mit der BDS (Anti-Israel Boykottbewegung) gibt,
- dass die Pro-Palestine-Bewegung sich ihrer derzeit bedient,
- dass Kreator Demnig mit diesem bequemen Ablasshandel Millionen verdient – der im Übrigen von Anfang an als Markenwert patentiert wurde,
- dass sein Verein nicht transparent geführt wird,
- dass viele Stolpersteine mutwillig geschändet und täglich mit ebenso Fußtritten geschändet werden,
- dass Stolpersteine auch an falschen Stellen mit falschen Namen und fehlerhaft verlegt wurden, auch gegen den Willen von Angehörigen,
- dass demokratische Verfahren umgangen werden – denn Erinnerungsprojekte im öffentlichen Raum müssen vom Stadtparlament abgestimmt und durch eine Ausschreibung für Denkmäler genehmigt werden. Dies umgeht Demnig seit Jahren über das Baureferat.
Dies sind ein paar Fakten – es gibt noch mehr.
Angesichts des Tsunamis von Judenhass, der in Deutschland hohe Wellen schlägt sieht man, dass die zig-tausend verlegten Stolpersteine gesellschaftlich nichts gebracht haben, sie haben nichts bewirkt, nicht mehr Mitgefühl angesprochen.
„Stolpersteine bieten neben den bewussten Schändungen – wie sie an anderen Erinnerungsorten auch vorkommen können – die gänzlich unbewusste Verächtlichmachung an. Die alltägliche und ungewollte oder vielleicht auch nur gleichgültige Schweinerei so nebenbei. Eine ‚Gedenkform‘, die allen Menschen die Möglichkeit bietet, das Andenken der Opfer mit Füßen zu treten – auch wenn sie das nicht einmal wollen – ist und bleibt die schändlichste Form, der Ermordeten zu gedenken,“ sagte einmal einer unserer Referenten.
Respect & Remember Europe e.V.