Presseerklärung 20.11.2022
Solidarität Stadt München mit Metropoltheater
Presseerklärung zur Solidarität Münchner Institutionen mit dem Metropoltheater angesichts des Skandals um das Theaterstück “Vögel”
Das mittlerweile -vorläufig- vom Spielplan des Münchner Metropoltheaters abgesetzte Stück “Vögel” von Wajdi Mouawad enthält zweifelsfrei antisemitische Passagen. Wenn man Antisemitismus tatsächlich ernst nimmt, dann verbietet es sich nicht nur aus unserer Sicht, das Stück überhaupt aufzuführen – in jeder Form und erst recht in Deutschland.
Die Solidarität, die Institutionen wie das Jüdische Museum und das NS-Dokumentationszentrum zusammen mit dem Münchner Kulturreferat gegenüber dem Metropoltheater zeigen, wirkt dabei absurd und fatal – zumal, wenn man die im Folgenden dargestellten Hintergründe versteht.
Bereits am 15. Oktober gab der Intendant des Metropoltheaters, Jochen Schölch, Radio m945 ein Interview. Schölch behauptete in dem Podcast, das multikulturelle Israel sei ein “Zwei-Klassen-Staat”. Als Beleg führte er an, sein Berater für das Theaterstück, ein christlicher Araber, habe ihm erzählt, dass er nicht in die Israelische Armee (IDF) eingezogen wurde, weil man ihm aufgrund seiner Herkunft nicht vertrauen könne. Ist dem Theatermacher nicht bekannt, dass über 3000 arabische Soldaten in der IDF dienen, mit dem Koran vereidigt werden und selbstverständlich intrigiert sind? Es gibt in dem Podcast noch weitere einseitige Kommentare, sodass das Interview entlarvend in Bezug auf seine Inszenierung von “Vögel” wirkt.
In der am 18.11.2022 verbreiteten Presseinformation “Absage zu der Sondervorstellung am 20.11.2022 um 12.00h” schreibt Schölch, “Beraten wurde Wajdi Mouawad von der international anerkannten jüdischen Historikerin Natalie Zemon Davis”. Natalie Zemon Davis ist eine aktive Unterstützerin der Anti-Israel-Boykottbewegung BDS, sie engagiert sich in den USA neben Judith Butler bei der Electronic Intifada und sie hat 2021 die Anti-IHRA Jerusalem Declaration der BDS mitunterschrieben. Was bedeutet BDS? Boykott, Divestment, Sanctions gegen Israel? Was ist das Ziel? Ein Rundum-Boykott gegen Land und damit die gesamte Bevölkerung Israels. Schölch beruft sich als Leumund für den Autor und auch als Alibi für seine Inszinierung auf eine ausgewiesene Israelhasserin.
Es geht hier nicht um Meinungs- bzw. Kunstfreiheit oder Zensur (diese Worte bringt der Intendant ins Spiel, obwohl er ja gleichzeitig “ein klares Zeichen gegen Antisemitismus setzen möchte, um weitere Gräben in der Gesellschaft zu verhindern”. Irgendwie widersprüchlich, oder?). Es geht um die miese Fratze des Antisemitismus, die uns wieder erreicht und von vielen Menschen offensichtlich nicht gesehen wird – zumindest nicht innerhalb des Metropoltheaters und von seinen Unterstützern. Und wenn man, wie kürzlich die beiden jüdischen Studentenverbände, die dadurch verursachten Verletzungen anspricht, wird wie so oft reflexartig der Spieß umgedreht, der Täter wird zum Opfer, das Opfer wird zum Spielverderber, der sich verteidigen muss.
Der Ort, an dem so ein Stück aufgeführt wird, ist übrigens sehr relevant. Wenn ein Stück wie “Vögel” in Israel inszeniert wird, hat das eine vollkommen andere Wirkung als im Ex-Nazi- Deutschland. Hier bei uns hat es mehr als ein Geschmäckle, wenn “Vögel” unter Berufung auf BDS-2 Protagonisten und israelbezogenen Antisemitismus gespielt wird.
Generell muss sich jedes Land, jede Stadt für sich mit den historischen und kulturellen Voraussetzungen auseinandersetzen, die sie für die Aufführung eines Theaterstücks mit antisemitischen Passagen mitbringen. Hier in München wurde “Vögel” unter dem traurigen Beifall von Menschen aufgeführt, die vermutlich keine („Fremd“-) Verletzung spürten und offensichtlich keine “besondere” Sensibilität für das Thema Antisemitismus haben. Unter “besonderer Sensibilität” verstehen wir, dass man als Zuschauer/-in antisemitische Tendenzen, die in dem Stück in manchen Dialogen und Monologen recht derb und offensichtlich sind, bemerkt. Dabei ist uns selbstverständlich klar, dass nicht jeder ein Antisemit ist, der Beifall klatschte.
Deutschland, Bayern, München – wir müssen uns endlich im Klaren sein, dass wir ein großes Antisemitismusproblem haben. Die Übergriffe mehren sich gerade auch in der Kulturszene, hier nur eine Auswahl: die Walser-Rede in der Paulskirche, die Veröffentlichung des Günter-Grass-Gedichts und der Hanitzsch-Zeichnungen in der Süddeutschen Zeitung, die Ruhrtriennale 2018, die Initiative GG 5.3 Weltoffenheit, die antisemitisch durchsetzte Documenta 15. Alles unsägliche, verletzende Momente.
Wenn man sich mit antisemitischen Tendenzen solidarisiert, so wie dies in für uns unverständlicher Weise die drei oben genannten Institutionen meinen, dann fragen wir uns tatsächlich, wo die immer wieder proklamierten klaren Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt werden? Nimmt die institutionelle Öffentlichkeit diese Strömungen tatsächlich so wahr und ernst, wie es unaufhörlich beschrieben wird?
Es geht uns nicht um ein Verbot als solches, sondern um ein angemessenes Verstehen und Verhalten. Hier ist doch die logische Folge, antisemitische Verletzungen nicht zu unterstützen und sich damit nicht zu solidarisieren. Das Stück “Vögel” sollte daher weder so noch in anderer Form in Deutschland aufgeführt werden. Denn wer sollte den Text umschreiben? Doch nicht diejenigen, die nichts verstanden haben und dabei BDS-Aktivisten als vermeintliches Alibi zitieren. Da macht man ja den Bock zum Gärtner.
Fazit: Ein Stück mit antisemitischen Passagen in einem Münchner Theater mit einer BDS-Aktivistin als Leumund aufzuführen sollte ein No-Go sein. Sich mit einem Theaterstück mit antisemitischen Passagen zu solidarisieren sollte ein No-Go sein, erst recht und vor allem in Deutschland 2022. Finita la comedia o tragedia! Respect & Remember Europe e.V. www.respect-and-remember.com Vorsitzende: Gabriella Meros
Interview mit dem Intendanten bei Radio m945: https://www.m945.de/audio/nahostkonflikt-auf-der-buehne/
Electronic Intifada unterschrieben von As`ad Abukhail California State University-Stanislaus; Judith Butler, University of California, Berkeley; Natalie Zemon Davis, Princeton University; Joseph Massad, Columbia University; Joan Scott, Institute for Advanced Study; and Antoinette Burton and Zohreh T. Sullivan, both of the University of Illinois.
Natalie Zemon Davis hat die Anti-IHRA Jerusalem Declaration der BDS -Bewegung mitunterschrieben! Academic heavyweights slam Univ. of Illinois firing of Steven Salaita for Palestine views
https://thecjn.ca/news/canada/students-professors-offer-differing-views-on-ihra-definition/
Students, professors offer differing views on IHRA definition / 2021 Empfehlungen für Informationen über BDS: Bundeszentrale für politische Bildung
Das Buch zur BDS dazu empfehlenswert: