Presseerklärung 22.10.2020 Stolpersteine vor Ägyptischem Museum
Presseerklärung gegen die Verlegung von Stolpersteinen beim Ägyptischen Museum in München.
Keine Stolpersteine auf staatlichem Grund. Dieser Tage sollen Stolpersteine vor dem Ägyptischen Museum verlegt werden, dieser Boden ist staatlicher Grund, kein Privatgrund. Hat der Freistaat Bayern den Münchner Stadtratsbeschluss gegen die Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichem Grund vergessen? Warum halten sich Staat und Stadt nicht einvernehmlich an die beiden mehrheitlich beschlossenen Stadtratsbeschlüsse gegen die Verlegung von Stolpersteinen in München? Wir reichen zeitnah an den Oberbürgermeister Herrn Reiter eine Petition ein, um diesen Sachverhalt zu klären. Das Ägyptische Museum wird vom Freistaat Bayern finanziert – ist also kein privater Grund. Warum können dann diese unwürdigen Stolpersteine verlegt werden, die nur spalten und keine Brücken bauen?
Es ist kein öffentlicher Wettbewerb ausgeschrieben, an dem andere Künstler ebenso berechtigt wären teilzuhaben. Dies wäre das übliche Prozedere bei Kunst im öffentlichen Raum, denn die Stolpersteine werden bekanntlich als Kunst deklariert.
Es ist geplant eine Informationstafel beim Ägyptischen Museum anzubringen mit einem informativen Text über das Gelände und über die sechs Shoah-Opfer. Warum dann noch Stolpersteine?
Von der Stadt München wurde für Gedenk-Stelen- und Tafeln ein Konzept entworfen und angeboten; dies wird hierbei völlig ignoriert. Warum? Hört die Demokratie bei den Stolpersteinen auf? Warum wird der Stadtratsbeschluss umgangen?
Die Stolpersteine verletzen in jeder Hinsicht:
Stolpersteine liegen am Boden, im Straßendreck, ungeschützt, mit einer Beschriftung, die an die Deportationslisten der Nationalsozialisten erinnert, und sie erinnern an die Straßenszenen, bei denen Juden am Boden gedemütigt, geschlagen und auch zu Tode getreten wurden. Durch die Stolpersteine bleiben Juden gedemütigte Opfer am Boden, anstatt ihnen wenigstens heute in Augenhöhe zu begegnen. Mit einem individuellen Text (auf Stelen oder Tafeln) kann man zeigen, wie Menschen gelebt haben, erhält Informationen über sie und kann so nochmal in die Gesichter der Ermordeten blicken.
Warum setzt man sich nicht für ein würdiges Gedenken ein, das weder Juden noch Nichtjuden verletzt?
Nur durch Information kann Empathie erzeugt werden und dazu ist die Form dieser Bodensteine nicht fähig, denn es fehlen die Inhalte. Gerade jetzt, bei dem wachsenden Antisemitismus bundesweit braucht es Informationen mit Individualität, Authentizität und Würde. Die emsige Betriebsamkeit der Unterstützer der „ Stolpersteine“ überschattet die Opfer, die ja im Mittelpunkt stehen müssen. Ob Archäologen einen speziellen Blick nach unten haben oder andere glauben, es genüge sich zum Boden zu beugen – Respekt findet nicht in Fußsohlenhöhe statt. Er findet in Herzens- und Augenhöhe statt. Und wer behauptet, ermordete Opfer könnten so in ihre Häuser zurückkehren, verhöhnt sie. Es geht ausschließlich um die Shoah-Opfer ohne Projektion oder Interpretation. Die Erinnerung an SIE muss würdig gelebt werden ohne Fußtritte und Straßendreck auf ihren Namen. Gedenktafeln und Stelen in Augenhöhe mit einem informativen, würdigen Text, das ist Gedenken mit Respekt.
Wir fordern den Freistaat Bayern auf keine Stolpersteine am Ägyptischen Museum in München auf staatlichem Grund – dem Verbot auf städtischen Grund folgend – zu gestatten.
Kontakt:
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